Reportage · Crémant
35 Jahre Luxemburger Crémant
Sie ist fruchtig-spritzig, hinterlässt im Mund ein angenehmes Prickeln und verbindet Menschen in feierlichen Momenten: die “Kippchen”, die im Großherzogtum bei keinem Fest fehlen darf. Vor 35 Jahren startete die Erfolgsgeschichte des “Crémant de Luxembourg”, der heute mehr denn je seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat.
Es ist eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch, denn kaum ein “made in Luxembourg”-Produkt erfreut sich solch einem Zuspruch, wie der “Crémant de Luxembourg”. Im November feiert der Schaumwein seinen 35. Geburtstag, dies zwar ohne großes Fest, dafür aber mit vielen Erinnerungen, denn die Luxemburger “Kippchen” ist fast überall dabei. Den Grundstein für das damals neue Produkt legte die Einführung der “Marque Nationale” für Luxemburger Schaumweine im Jahr 1988. “Das war der erste offizielle Schritt, der uns eine Basis für den Einstieg in die Welt des Crémants lieferte”, sagt Paul Thill, Weinkontrolleur beim Institut viti-vinicole (IVV).
Bis Anfang der 1990er hatte es die Bezeichnung für Crémant aus kontrollierter Herkunft nur in Frankreich gegeben. Am 15. November 1991 kam erstmals der “Crémant de Luxembourg” auf den Markt. “Das Ganze startete mit 227.000 Flaschen, die schon nach nur wenigen Monaten ausverkauft waren. 2014 haben wir dann die drei Millionen Grenze geknackt”, erinnert sich der Weinkontrolleur. Nach der traditionellen Methode aus der Champagne in Flaschen gegärt, ist der Luxemburger Crémant ein wahres Unikat, denn während sämtliche anderen Crémants nach ihrer jeweiligen Region benannt sind, vertritt er ein gesamtes Land. “Die Produktion erfolgt natürlich nach den klar definierten, bestehenden Regeln, dazu kommen aber die Luxemburger Finessen sowie die Eigenart, dass es hier nur eine einzige Weinregion gibt”, erklärt Thill.
Die gewählten Traubensorten, der Boden der Weinberge, vor allem aber der finale Touch eines jeden Produzenten macht aus dem “Crémant de Luxembourg” genau das, was er heute ist: nämlich ein erfrischendes Getränk, das sich perfekt als Aperitif eignet und im Vergleich zu anderen Schaumweinen mit einer gewissen Leichtigkeit glänzt. Die ersten Betriebe, die hierzulande Crémant produzierten, waren Domaines Vinsmoselle, Domaine Laurent & Rita Kox, das Weingut Kohll-Reuland, Caves Desom sowie Domaine Mathes. “Heute hat jeder Winzer auch einen eigenen Crémant. Das Produkt macht zwar nur ein Drittel der jeweiligen Produktion aus, dafür aber die Hälfte des Jahresumsatzes”, so Claire Sertznig, Projektmanagerin am IVV.
Dass der Crémant ein solcher Renner werden würde, war zu Beginn seiner Geschichte noch nicht gewusst, wie Thill verrät: “Es gab eine gewisse Unsicherheit, da es sich um eine sehr teure Produktion handelt und man natürlich mehr Lagerplatz braucht.” Durch die Marketing-Kampagnen der großen Betriebe sowie die administrative Hilfe der Partner aus dem Elsass konnten jedoch auch die letzten Skeptiker überzeugt werden, sodass aus der Marke heute ein fester Bestandteil der Luxemburger Kultur geworden ist. “Die Akzeptanz der Kunden war einmalig und das Wort ‘Kippchen’ hat sich wirklich in unsere Sprache eingegliedert, was den hohen Stellenwert des Produktes unterstreicht”, betont Sertznig.
Ob im privaten Kreis oder zu großen nationalen Feierlichkeiten wie dem rezenten Thronwechsel oder der LUGA-Gartenschau: Eine Flasche Crémant knackt man selten alleine und genau dies macht den Charakter des Schaumweines aus. “Man verbindet ihn mit Events, mit Gefühlen und den schönen Momenten des Lebens”, so die IVV-Projektmanagerin. Für jeden großen Anlass gibt es zudem eine spezielle Cuvée, die den Erfolg nochmals steigert. Beliebt waren aber nicht nur der Millennial-Crémant zur Jahrtausendwende oder der blaue Crémant im Rahmen der Kulturhauptstadt 2007, auch der Crémant Rosé hat das Herzen vieler Kunden in den vergangenen Jahren erobert und ergänzt die Produktpalette perfekt.
Ein Highlight ist jedoch nicht nur das 35-jährige Bestehen des Luxemburger Crémants, sondern ebenfalls der 35. “Concours National des Crémants de France et du Luxembourg”, der am 16. April bereits zum vierten Mal vom Großherzogtum ausgerichtet wurde und das ehemalige Gastland mächtig stolz macht. Das Geheimnis hinter all dem Erfolg: die hohe Qualität sowie das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis, sagt Thill. “Ab kommendem Jahr wird die Minimum Lagerzeit auf dem Hefesatz auf Wunsch der Winzer ebenfalls von neun auf zwölf Monate gehoben, was die Qualität nochmals verbessern wird”, verrät der Weinkontrolleur. Crémant, so ist man sich einig, ist halt mehr, als “nur” ein Getränk: Es ist das kleine Etwas, das man sich hin und wieder gönnt und eines jener Produkte, die den Luxemburger Weinbau heute ausmachen. In dem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag!
“Die Akzeptanz der Kunden war einmalig und das Wort ‘Kippchen’ hat sich wirklich in unsere Sprache eingegliedert, was den hohen Stellenwert des Produktes unterstreicht”