Portrait · Femmes
Wein in weiblich
WIE FRAUEN AN DER LUXEMBURGISCHEN MOSEL DEN WEINBAU NEU PRÄGEN
Es gibt Tage an der luxemburgischen Mosel, an denen die Zeit stehen bleibt. Das Licht fällt flach über die Hänge, die Reben stehen still, und alles wirkt, als hätte sich hier seit Jahrzehnten nichts verändert. Die gleichen Dörfer, die gleichen Lagen, die gleichen Namen auf den Schildern der Weingüter. Wer genauer hinschaut, merkt: Das stimmt nicht mehr.
Hinter den vertrauten Namen sitzen heute andere Gesichter. Jüngere. Und auffällig oft: weibliche. Mehr als zehn Frauen führen derzeit Betriebe an der Mosel, in den verschiedensten Rollen – als Chefinnen, Kellermeisterinnen, Önologinnen und Organisatorinnen. Manche kommen aus Winzerdynastien, manche aus völlig anderen Welten. Eine war Anwältin, eine Psychologin, eine Landschaftsarchitektin. Eine kam für ein Praktikum aus der Champagne und blieb. Was sie verbindet, ist nicht ihre Herkunft, sondern ihre Gegenwart: Sie alle sind gerade dabei, eine Branche zu verändern, die lange von Vätern an Söhne weitergegeben wurde. Still, aber unübersehbar.
„Ich mache den Wein, der mir schmeckt. Nicht den, den andere gerne hätten.“
Zehn wege, eine richtung.
Fragt man sie, wie sie zum Wein gekommen sind, erhält man zehn verschiedene Antworten. Und genau darin liegt die Geschichte.
Da wäre beispielsweise Anouk Bastian vom Domaine Mathis Bastian in Remich, die es schon als Kind wusste. „Mit zehn Jahren habe ich gesagt: Diesen Betrieb hier, den übernehme ich.“ Der Weg führte trotzdem erst durchs Jura-Studium, dann zwei Jahre in eine Anwaltskanzlei. Gepasst hat es nie. Sie wollte Menschen zusammenbringen, nicht auseinanderhalten.
Lisa Vesque vom Domaine Cep d’Or in Stadtbredimus hat sich mit fünfzehn entschieden, obwohl ihr Lehrer im Lycée sagte, das sei kein Frauenberuf. Was ihr Selbstbewusstsein gab, war ein Praktikum am Mittelrhein bei einer Winzerin, die einen ähnlichen Betrieb führte. „Die habe ich immer als Vorbild gesehen, so stark wollte ich auch einmal sein.“
Bei Carole Bentz hat dieser Schritt länger gedauert. Elf Jahre sammelte sie Erfahrungen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, bevor sie mit 35 in den Familienbetrieb Domaine Claude Bentz in Remich zurückkehrte. Ausschlaggebend war das Gefühl, im Büroalltag nicht am richtigen Ort zu sein, der Wunsch nach Nähe zu Kunden und zum Wein wurde immer größer. Ihr Vater begegnete der Entscheidung zunächst mit Zurückhaltung und warnte sie, eine sichere Stelle aufzugeben, gerade als Mutter. Dennoch entschied sie sich bewusst für den Neuanfang.
Michèle Mannes von der Domaine Häremillen in Ehnen studierte Landschaftsarchitektur und merkte schnell, dass ein Bürojob nichts für sie ist. Als sie zu ihrem Vater in den Betrieb wollte, einem Wirtschaftsprofessor, der das Weingut 1978 aus reiner Leidenschaft gegründet hatte, brauchte die Familie Überzeugungsarbeit. Privatwirtschaft sei nicht einfach, ein Beruf mit Alkohol nicht einfach, ein Männerberuf erst recht nicht. Drei Gegenargumente in einem Atemzug. Sie hat alle drei widerlegt.
Isabelle Gales von den Caves Gales in Remich kam über einen Umweg aus Paris zurück. Studierte Kunsthistorikerin, lebte in Frankreich, bis irgendwann die Frage kam: bleiben oder zurückkehren? Ihr Vater hatte nie Druck gemacht, im Gegenteil, er sagte ihr, wenn sie etwas anderes machen wolle, sei das völlig in Ordnung. Das machte ihre Entscheidung für die Mosel umso freier.
Ganz anders Laurence Duhr. Als Tochter von Abi Duhr war der Erwartungsdruck groß, doch sie wollte mit Weinbau nichts zu tun haben. Stattdessen studierte sie Psychologie, aus Überzeugung. Doch je tiefer sie ins Studium kam, desto mehr störte sie die Defizitorientierung des Fachs. Also gab sie dem Wein doch eine Chance und ging für ein Praktikum zu Reinhard Löwenstein an der deutschen Mosel. Aus drei Monaten wurden drei Jahre. „Er hat mir einen Zugang zum Wein gegeben, der nichts mit dem zu tun hatte, was ich kannte. Dort konnte ich so sein, wie ich bin.“
„Ich habe noch niemanden getroffen, der den Auxerrois nicht gut fand.“
Corinne Kox vom Domaine L & R Kox in Remich fand eher ungeplant ihren Weg in den Betrieb. Nach ihrer Promotion in Molekularbiologie arbeitete sie zunächst mehrere Jahre bei einem deutschen Fernsehsender, bevor es sie zurück nach Luxemburg zog. Dem Weinbau stand sie lange kritisch gegenüber, vor allem wegen der Monokultur und des oft fehlenden Zusammenspiels mit der Natur. Irgendwann stellte sie sich jedoch selbst die Frage: „Kritisieren ist einfach – warum nicht versuchen, es besser zu machen?“ Seitdem setzt sie auf Vitiforst, die Integration von Bäumen und anderen Pflanzen in den Weinbergen, um die Biodiversität zu stärken und die Reben widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Charlène Muller wiederum, Kellermeisterin bei Vinsmoselle in Grevenmacher, kam aus der Champagne nach Luxemburg, eigentlich nur für drei Monate. Das war vor zwanzig Jahren.
Und Marie Kox von der Domaine Sunnen-Hoffmann in Remerschen hatte keinen Kindheitstraum vom Weinberg. Die Idee kam erst spät, in der naturwissenschaftlichen Sektion der Oberstufe. Den Ausschlag gab ein Praktikum bei Châteauneuf-du-Pape, wo eine junge Kellermeisterin Anfang dreißig ohne Probleme einen männerdominierten Betrieb führte. „Da habe ich gesehen, dass es geht.“
Was diese Frauen verbindet, ist nicht ihr Weg, sondern ihre Entschiedenheit. Irgendwann haben sie alle gesagt: Das hier bin ich. Und sind dabei geblieben.
„Es geht nicht nur darum, einen guten Wein zu machen. Wir müssen ihn auch verkauft bekommen.“
„Jeder muss seinen Bereich haben. Dann sind Kompromisse leichter.“
Frischer wind, alte reben.
Was sich verändert, wenn diese Frauen einen Betrieb übernehmen, lässt sich nicht auf eine Formel bringen. Aber es verändert sich etwas.
Als Carole Bentz in den Familienbetrieb zurückkehrte, traf sie auf ein Weingut mit großer Tradition und klarer Handschrift, das über viele Jahre vor allem auf Kontinuität und klassische Strukturen gesetzt hatte. Sie begann den Betrieb behutsam weiterzuentwickeln: Social Media, Präsenz auf Weinmessen, ein erweitertes Sortiment mit Crémant Brut und im Holzfass ausgebautem Chardonnay, ein neuer Pavillon, den ihre Schwester Jil entworfen hat, und ein vielseitiges Angebot aus Kunstveranstaltungen, Hochzeiten und Corporate-Events. „Wir wollen Bewährtes weitertragen und zugleich neue Wege gehen“, sagt Carole. Sichtbarkeit, Begegnung und neue Formate versteht sie als Ergänzung zur traditionellen Arbeit des Weinguts.
Lisa Vesque und Anouk Bastian wählen den etwas umgekehrten Ansatz. Beide setzen darauf, ihre Betriebe behutsam zu öffnen, sichtbarer und zugänglicher zu machen, ohne das Fundament zu sehr anzutasten. „Ich will weniger eingreifen, die Weine lieber für sich sprechen lassen“, sagt Lisa. Wo ihr Vater den Crémant 1995 mit knapp 2.000 Flaschen begann, macht er heute fast die Hälfte der Produktion aus. Sie hat Meunier gepflanzt, eine Rebsorte, die sie unbedingt im Programm wollte, und baut ihre Weine insgesamt einen Tick trockener aus. Evolution statt Umbruch, bei beiden gehören Veranstaltungen und Kundennähe dazu, nur im eigenen, authentischen Tempo.
Einen ganz persönlichen Wein haben sich Isabelle Gales und Laurence Duhr geschaffen. Isabelle hat mit ihrem Bruder Georges in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren viel Neues auf den Markt gebracht. Darunter ihren ganzen Stolz: den „Pas de deux“, eine Assemblage aus Auxerrois, Chardonnay und Riesling im Barrique, benannt nach dem Zusammenspiel mit ihrem Vater. „Zusammen wollen wir in eine neue Zeit gehen“, sagt Isabelle. Laurence hat sich mit dem „Vullemetti“ ihren eigenen Experimentierraum geschaffen, einem Verschnitt aus Rivaner und Gewürztraminer, den es so an der Mosel nicht gibt. Der erste Jahrgang war nach eigener Aussage katastrophal, drei Jahre Lagerung und ein Verschnitt später funktioniert er, auch dank eines Etiketts, das die Kunden zum Lachen bringt. „Ich mache den Wein, der mir schmeckt, nicht den, den andere gerne hätten“, sagt Laurence.
„Die neue Generation trinkt bewusster. Luxemburg kann davon profitieren.“
Was Michèle Mannes und Anne Maddalon verbindet, ist der Respekt vor dem, was schon da ist. Michèle bringt den Blick der Landschaftsarchitektin mit, fünf Jahre lang hat sie Landschaften analysiert, heute sieht sie den Weinberg nicht als Monokultur, sondern als Raum für Biodiversität. Schafe, Rosen, Gründüngung, dynamische Tupfer, wie sie es nennt. Und den Auxerrois, eine Rebsorte, die fast nur in Luxemburg angebaut wird, will sie aus dem Schatten holen: „Das ist etwas so Spezielles, ich habe noch niemanden getroffen, der ihn nicht gut fand.“ Anne führt mit ihren 4,6 Hektar den kleinsten Betrieb unter ihnen und geht dabei von konventionell zu Bio, auch wenn sie sich bewusst nicht zertifizieren lässt, mit dem Ziel Biodynamie. Ihr Rivaner „L’autre riv’“ soll einen Cépage aufwerten, der in Luxemburg oft unterschätzt wird.
In einer anderen Dimension arbeitet Charlène Muller. Als Kellermeisterin bei Vinsmoselle verarbeitet sie bis zu 350 Tonnen Trauben pro Standort während der Lese. Pures Adrenalin, sagt sie, da entscheide sich alles. Gleichzeitig treibt sie die Produktion alkoholärmerer Weine voran, statt 12 Prozent lieber 10,5. Die neue Generation trinke bewusster und Luxemburg könne davon profitieren.
Es wäre verlockend, daraus eine einfache Geschichte zu machen. Aber so einfach ist es nicht. Was diese Frauen eint, ist weniger ihr Geschlecht als ihr Zeitpunkt. Sie gehören einer Generation an, die mit Klimawandel, sinkendem Konsum und veränderten Trinkgewohnheiten umgehen muss, und sie tun das mit einer Selbstverständlichkeit, die ihre Väter so nicht hatten.
In stein gemeisselt
Auch beim Thema Sexismus bekommt man keine einheitliche Antwort, und vielleicht ist genau das die ehrlichste Auskunft.
Charlène Muller etwa sagt, sie denke eigentlich nie darüber nach. Dann überlegt sie kurz und fügt hinzu: „Vielleicht habe ich mich immer verpflichtet gefühlt, mehr zu leisten als die Männer. Aber das läuft eher unbewusst.“ Und ja, wer nicht mit einer Frau arbeiten wollte, mit dem habe man eben nicht zusammengearbeitet.
So pragmatisch sehen es nicht alle. Lisa Vesque etwa wurde im Betrieb für die Sekretärin gehalten, „die Assistentin vielleicht, aber sicher nicht die Person, die die Entscheidungen trifft.“ Bei Weinproben geht es Michèle Mannes ähnlich, da wird sie manchmal für die Verkäuferin gehalten. „Wenn sie es bis zum dritten Mal nicht verstanden haben, dann ist es mir auch egal.“
Dass es oft subtiler läuft, beschreibt Corinne Kox vom Domaine L & R Kox. Sexismus existiere, aber selten frontal, eher hinter dem Rücken. Und er sei schwer vom Altersfaktor zu trennen: „Kommt das daher, dass ich eine Frau bin, oder kommt es daher, dass ich jünger bin?“ Was sie im Grunde beschreibt, ist ein Erziehungsproblem: Chefin zu sein, das habe man Mädchen schlicht nicht beigebracht.
Wie tief das sitzt, zeigt eine Geschichte von Isabelle Gales. Als sie sich vor rund fünfzehn Jahren im Rahmen der Lucilivines für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Weinbau einsetzte, kam Gegenwind ausgerechnet aus den eigenen Reihen. Manche Frauen empfanden es als unnötig, sich sichtbar zu machen, fast als wäre es eine Provokation. „Das hat mir gezeigt, wie tief das wirklich verankert war, der Mann als Winzer hier an der Mosel. Fast wie in Stein gemeißelt.“
Manchmal zählen nicht die Worte, sondern die Taten. Anne Maddalon musste sich die Ärmel hochkrempeln, um den Betrieb zu erhalten. Die Arbeit wartet nicht.
„BEWÄHRTES WEITERTRAGEN UND ZUGLEICH NEUE WEGE GEHEN.“
Noch deutlicher wird es bei Laurence Duhr. Acht Jahre hat es gedauert, bis ihre Mitarbeiter sie ernst genommen haben. Bis dahin hat sie getrickst, etwa in Meetings einem Kollegen ihre Idee zugeflüstert, damit er sie ausspricht, „und dann wird geklatscht.“ Ihr Vater könne das überhaupt nicht nachvollziehen, er werde als Mann automatisch ernst genommen.
Auch zwischen den Generationen zeigt sich der Wandel. Bei der Domaine Sunnen-Hoffmann erinnert sich Corinne Sunnen an die Anfangszeit, als ein Kunde kam und Wein kaufen wollte. Sie wollte beraten, doch er sagte: „Nein, ich warte lieber, bis der Herr Sunnen da ist.“ Dass eine Frau Bescheid wissen könnte, das war für ihn schlicht nicht vorstellbar.
„Zusammen wollen wir in eine neue Zeit gehen.“
Heute sieht das anders aus, findet Anouk Bastian. Sie erinnert sich noch an Zeiten, in denen Tanten und Mütter hinter ihren Männern standen, aktiv mitarbeiteten, aber nie vorne. „Die Frau hier an der luxemburgischen Mosel ist im Grunde eine absolute Selbstverständlichkeit.“
Was bleibt, ist ein differenziertes Bild. Frauen, die in einer Branche angekommen sind, die sich verändert hat. Und die ehrlich genug sind zuzugeben, dass manche Kämpfe noch nicht gewonnen sind. Wie Corinne Kox es zusammenfasst: „Natürlich gibt es Sexismus, überall.“ Man muss ihn nicht jeden Tag spüren, um zu wissen, dass er da ist.
Tradition und erbe
„Die Frau an der luxemburgischen Mosel ist heute eine absolute Selbstverständlichkeit.“
An der Mosel wird Tradition gerne erzählt wie eine gerade Linie: Großvater, Vater, Sohn. Die Realität war schon immer komplizierter.
Bei der Domaine Sunnen-Hoffmann in Remerschen sitzen Mutter und Tochter am selben Tisch, und das ist keine Selbstverständlichkeit. Corinne Sunnen übernahm die Administration des Betriebs, nachdem ihr Vater gestorben war. Marie, ihre Tochter, kam Jahre später dazu, nach dem Önologie-Studium und Praktika in Frankreich. Heute führen sie den Betrieb gemeinsam, Corinne macht die Bücher, die Organisation, die Weinproben, Marie den Weinberg und den Keller. „Jeder muss seinen Bereich haben und dort etwas mehr das Sagen haben“, sagt Marie, denn dann seien Kompromisse leichter. Der wichtigste gemeinsame Nenner war von Anfang an da: die Überzeugung, dass biologischer Weinbau der richtige Weg ist. Als der Betrieb Ende der Neunziger auf Bio umstellte, wurden sie von Nachbarn schief angeschaut, die ihnen vorwarfen, Krankheiten rüberzubringen. Fünfzehn Jahre später wirkt die Skepsis von damals wie aus einer anderen Zeit.
Was die nächste Generation mitbringt, sieht Corinne vor allem in der Fachlichkeit. Marie habe durch ihr Studium von Anfang an anders auftreten können, fundierter, sicherer. „Das hatte ich zum Beispiel nicht.“ Gleichzeitig beschreibt sie etwas, das viele Betriebe an der Mosel kennen: die Aufmerksamkeit lag immer beim Mann. Ihr Bruder Yves stand vorne, obwohl Verwaltung, Verkauf und Kundenpflege genauso essenziell waren. „Es geht nicht nur darum, einen guten Wein zu machen. Wir müssen ihn auch verkauft bekommen.“
Die Last des großen Namens kennt auch Laurence Duhr, wenn auch von einer anderen Seite. Als Tochter von Abi Duhr war der Erwartungsdruck da, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Kollegen sagten ihr, das werde sie sowieso nicht hinbekommen. Die Skepsis war doppelt grundiert: Frau und Psychologin statt Önologin. Die Muskeln kamen trotzdem. Was half, war die Klarheit, es aus eigenem Antrieb zu tun. „Es ist mein eigener Weg, und den muss ich selber reflektieren.“
Diesen unsichtbaren Teil sichtbar zu machen ist vielleicht die leiseste, aber nachhaltigste Veränderung, die gerade an der Mosel stattfindet. Isabelle Gales hat ihren „Pas de deux“ nach dem Zusammenspiel mit ihrem Vater benannt. Anne Maddalon hat die Nachfolge eines Betriebs angetreten, der seit 1837 in der Familie liegt, sechs Generationen, jetzt erstmals unter weiblicher Führung. Und Carole Bentz, vierte Generation, knüpfte an die langjährige Tradition des Hauses an und bereicherte den Betrieb mit neuen Ideen und frischer Dynamik.
Tradition an der Mosel war lange etwas, das man erbte und weiterführte. Heute ist es etwas, das man sich nimmt und neu formt.
„Kritisieren ist einfach – warum nicht versuchen, es besser zu machen?“
Wohin die Mosel fliesst
Die Mosel ist im Wandel, und die Winzerinnen wissen das. Aber sie sehen darin vor allem eine Chance. Charlène Muller etwa ist überzeugt, dass Luxemburg in die ideale Produktionszone für frische Weißweine rückt, weniger Alkohol, mehr Trinkfreude, genau das, was die nächste Generation wolle. Marie Kox wünscht sich, dass Luxemburg in der internationalen Weinszene mehr geschätzt wird und Qualität sich auch im Preis widerspiegeln darf. Und Anne Maddalon wünscht sich mehr Sichtbarkeit für die oft unbekannten Weine der Mosel und will dazu beitragen, sie über die Grenzen hinaus bekannt zu machen.
Herausforderungen gibt es natürlich auch. Michèle Mannes spricht von aufgegebenen Parzellen, die zum Gestrüpp werden, einem Flickenteppich zwischen gepflegten Weinbergen. Laurence Duhr treibt die Frage um, was mit den Brachflächen passiert, und hofft, dass man Alternativen findet, die die Landschaft erhalten. Corinne Kox vom Domaine L & R Kox sieht es nüchtern, die Mosel werde kleiner, vom Volumen her, und das nicht nur in Luxemburg.
Doch trotz dieser Herausforderungen geht der Blick nach vorne. Anouk Bastian denkt schon weiter: wenn bald über fünfzehn professionelle Winzerinnen an der Mosel arbeiten, könne man einen eigenen Austausch organisieren, generationsübergreifend. „Eine ganz lebendige Region, die sprudelt.“ Und Lisa Vesque, die Pragmatischste unter ihnen, hofft, dass „die Mosel dann noch immer so vielfältig ist, wie sie es jetzt ist“.
„Ho entlich bleibt die Mosel immer so vielfältig, wie sie jetzt ist.“
Anouk Bastian wusste es mit zehn. Lisa Vesque kämpfte gegen Lehrer, die ihr den Beruf ausreden wollten. Carole Bentz gab einem traditionsreichen Haus neue Impulse. Michèle Mannes widerlegte drei Gegenargumente in einem Atemzug. Isabelle Gales tanzt mit ihrem Vater einen „Pas de deux“ in die neue Zeit. Corinne Kox machte aus Kritik eine leise Revolution. Charlène Muller blieb zwanzig Jahre, als sie nur drei Monate bleiben wollte. Anne Maddalon fand durch Arbeit und Ausdauer ihren Platz. Marie Kox und Corinne Sunnen bewiesen Geduld über Jahrzehnte. Und Laurence Duhr setzt ihren Clown auf, wenn die Welt zu ernst wird.
Es ist ein Bild, das hängen bleibt. Und es passt zu dem, was alle elf Frauen auf ihre Weise beschreiben: Die Mosel verlangt dir alles ab, Körper, Kopf, Geduld. Und dann musst du auch noch du selbst bleiben. Elf Frauen, elf Wege. Die gleichen Dörfer, die gleichen Lagen, die gleichen Namen auf den Schildern. Aber dahinter — andere Gesichter.
„Ich will dazu beitragen, die Weine der Mosel über die Grenzen hinaus bekannt zu machen.“
Anouk Bastian wusste es mit zehn. Lisa Vesque kämpfte gegen Lehrer, die ihr den Beruf ausreden wollten. Carole Bentz gab einem traditionsreichen Haus neue Impulse. Michèle Mannes widerlegte drei Gegenargumente in einem Atemzug. Isabelle Gales tanzt mit ihrem Vater einen „Pas de deux“ in die neue Zeit. Corinne Kox machte aus Kritik eine leise Revolution. Charlène Muller blieb zwanzig Jahre, als sie nur drei Monate bleiben wollte. Anne Maddalon fand durch Arbeit und Ausdauer ihren Platz. Marie Kox und Corinne Sunnen bewiesen Geduld über Jahrzehnte. Und Laurence Duhr setzt ihren Clown auf, wenn die Welt zu ernst wird.
Es ist ein Bild, das hängen bleibt. Und es passt zu dem, was alle elf Frauen auf ihre Weise beschreiben: Die Mosel verlangt dir alles ab, Körper, Kopf, Geduld. Und dann musst du auch noch du selbst bleiben. Elf Frauen, elf Wege. Die gleichen Dörfer, die gleichen Lagen, die gleichen Namen auf den Schildern. Aber dahinter — andere Gesichter.