Face à face · Zwei Sichtweisen
Face à Face - Claude Pundel & Nicolas Schmit
Les Questions
1. Was macht die Naturweine so speziell im Vergleich zu herkömmlichen Weinen?
2. Warum haben Sie sich dazu entschieden Naturweine (nicht) zu produzieren?
3. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Naturweine in den kommenden Jahren ein?
4. Warum sollten die Menschen Naturwein trinken?
Claude Pundel
1. Ein Naturwein ist für mich lediglich ein Wein, dem kein Zucker beigefügt wird. Da jedoch alle unsere Weine aus der Natur kommen, schätze ich sie von meiner Definition alle als „natürliche Weine“ ein. Wenn man aber als Naturwein von trüben Weinen ausgeht, so ändert die Definition.
2. Da bei unseren Stammkunden die klassischen luxemburgischen Rebsorten weiterhin am gefragtesten sind, sehen wir keine Anreize für die Produktion von trüben Naturweinen. Wir versuchen also mit unseren Klassikern, die unsere Stärke darstellen, zu überzeugen.
3. Ich wäre in Zukunft froh darüber, wenn die Verkaufszahlen der Weine, die hierzulande produziert werden, nicht mehr stagnieren, sondern wieder steigen würden. Diese Entwicklung sehe ich – zumindest was unseren Betrieb angeht - nicht mit der Produktion von Naturweinen, da bei uns schlicht und ergreifend keine Nachfrage besteht. Ich sehe bei uns in Zukunft eher eine größere Präsenz von pilzwiderständigen Rebsorten, wie der Cabernet Blanc, den wir bereits im Sortiment haben.
4. Die Menschen wollen und sollen allgemein einen guten Wein trinken und das wollen wir ihnen mit unserer Qualität auch bieten können. Ich kann trotzdem verstehen, dass die jüngere Generation Interesse an den neueren Naturweinen hat. So verändern sich Geschmäcker.
Nicolas Schmit
1. Naturwein wird im Gegensatz zu herkömmlichen Weinen keine Zusatzsto e beigefügt. Biotrauben werden per Hand gelesen, gepresst und landen direkt im Keller. Im späteren Vorgang werden weder Enzyme noch Hefe oder Nährsto e beigefügt. Filtriert und geschwefelt wird er auch nicht und bildet so die natürlichste Form des Weines, dessen gelegentliche Imperfektion aber auch Einzigartigkeit die Naturweinliebhaber schätzen. Der einzige Nachteil ist, dass durch diese Art des Weinbaus die Weine sehr instabil sind und die Haltbarkeit dadurch ungewiss ist.
2. Da uns ein Kunde 2021 berichtet hat, dass der Markt in Luxemburg dafür durchaus da sei, wollten wir das Risiko eingehen. Was sich auszahlte, da sich der erste Jahrgang direkt wunderbar entwickelt hat und ein voller Erfolg wurde.
3. International gesehen ist die Entwicklung schon recht groß. Vor allem in Frankreich. Auch wir werden in Zukunft weitere Naturweine produzieren, da es eine großartige Ergänzung zu unserem bestehenden Angebot ist. Realistischerweise wird der Naturwein erst mal ein Nischenprodukt bleiben, da wir in Luxemburg auch immer etwas länger brauchen, um mit Neuheiten warm zu werden.
4. Es ist immer gut, was Neues zu probieren. Zusätzlich kann man so herausfinden, was die natürlichste Form des Weines ist. Es lohnt sich.
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