Handwerkskunst · Brennerei Diedenacker
L'art de distiller le terroir, de l'alambic à la ferme
Die Kunst, das Terroir zu destillieren – von der Brennblase bis zum Bauernhof
Treffen in Niederdonven mit Mariette Duhr-Merges, die uns die Türen der Brennerei Diedenacker öffnet, wo sich die Kunst der Destillation und die Weitergabe landwirtschaftlichen Wissens vereinen, um das luxemburgische Terroir zu würdigen.
Wie entstand Ihre Leidenschaft für die Destillation?
Unsere Familie destilliert seit 1862. Über sechs Generationen hinweg ergänzen sich Tradition und Innovation. Auch wenn alles mit der Landwirtschaft begann, setzte mein Schwiegervater Nicolas Duhr in den 1960er-Jahren mit der Abfüllung in Flaschen einen wichtigen Meilenstein. Wir tragen diese Geschichte mit der Verantwortung weiter, althergebrachte Handwerkskunst zu bewahren und zugleich an den Geschmack der heutigen Zeit anzupassen. Jede Generation hat ihren Beitrag geleistet und den ursprünglichen Bauernhof Schritt für Schritt zu einer renommierten Brennerei entwickelt, ohne dabei den familiären Geist zu verlieren. Für uns ist die Destillation vor allem ein Handwerk der Weitergabe und des Erhalts von Wissen.
Was macht die Identität Ihrer Spirituosen aus?
Die Identität unserer Spirituosen basiert auf Geduld und kurzen Wegen. Die Äpfel stammen aus unseren eigenen Obstgärten, ebenso wie die Mirabellen, die teilweise von regionalen Bäumen kommen und zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet werden. Wir setzen auf eine langsame Destillation, gefolgt von einer mindestens zwölfmonatigen Reifung in Edelstahl- oder Holzfässern, damit sich die Aromen harmonisch verbinden können. Statt auf maximale Erträge legen wir Wert auf den authentischen Ausdruck des Terroirs und schaffen so Destillate von außergewöhnlicher Finesse und Intensität.
Was zeichnet Ihr Sortiment und Ihre aktuellen Neuheiten aus?
Unser Sortiment reicht von Obstbränden über saisonale Fruchtliköre bis hin zu Gin und Whisky, bei denen wir zu den Pionieren in Luxemburg zählen. Klassiker wie Mirabelle oder Williamsbirne bleiben unverzichtbar, gleichzeitig entwickeln wir unser Angebot kontinuierlich weiter, etwa mit unserem neuen Rum. Dieser wird bei uns aus brasilianischer Melasse destilliert und anschließend vier Jahre lang in Fässern gereift, die zuvor Rum aus Barbados enthielten. Das vom Rum geprägte Holz verleiht ihm feine Vanillenoten. In jeder Flasche steht für uns die Balance im Mittelpunkt, die den ursprünglichen Charakter der Rohstoffe bestmöglich zur Geltung bringt.
Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Betrieb mit einem pädagogischen Bauernhof für die Öffentlichkeit zu öffnen?
Da wir beobachten, dass viele junge Menschen den Bezug zur Landwirtschaft verlieren, haben wir diesen lebendigen Ort der Wissensvermittlung geschaffen. Er bietet die Möglichkeit, die Kontinuität des Bauernberufs aufzuzeigen und aufzuwerten: ein anspruchsvoller Alltag, geprägt von einer Leidenschaft, die wir an zukünftige Generationen weitergeben möchten. Unser Ziel ist es, Kinder und Erwachsene wieder mit dem Rhythmus der Jahreszeiten, dem respektvollen Umgang mit Tieren und der Herkunft unserer Lebensmittel in Verbindung zu bringen.
Welche Botschaft möchten Sie Ihren Besuchern vermitteln?
Wir empfangen Schulklassen und soziale Gruppen, um sie für die landwirtschaftliche Arbeit zu sensibilisieren, die die Grundlage unserer Ernährung bildet. Dabei möchten wir die Kreislaufwirtschaft unseres Betriebs erlebbar machen: Hier hängt alles zusammen – von der Tierhaltung über den Obstbau bis hin zur Verarbeitung der Erzeugnisse – und folgt dem Prinzip eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Umwelt. Unsere Besucher sollen mit einem besseren Verständnis dafür nach Hause gehen, wie wichtig es ist, eine lokale und nachhaltige Wirtschaft zu unterstützen, in der jede Ressource wertgeschätzt wird.
Wie läuft ein Besuch auf dem Hof ab?
Die Teilnehmer erleben ein altersgerechtes, sinnliches Programm. Während Erwachsene den gesamten Produktionszyklus kennenlernen – vom Obstgarten bis zum fertigen Destillat –, lernen Kinder direkt auf dem Bauernhof durch eigenes Tun. Je nach Jahreszeit bieten wir Workshops an, die von der Ernte über das Pressen von Apfelsaft bis hin zur Versorgung der Tiere reichen. Die Jüngsten wenden dabei sogar schulisches Wissen an, etwa Mathematik beim Berechnen von Zutatenmengen. Dieser interaktive Ansatz macht Lernen zu einem nachhaltigen und unvergesslichen Erlebnis.
Wie ergänzen sich Brennerei und Bauernhof im Alltag?
Unsere beiden Tätigkeitsbereiche sind durch denselben Respekt vor der Natur verbunden, die wir vollständig ohne Pestizide bewirtschaften. Dabei setzen wir bewusst auf handwerkliche Methoden. Unsere Äpfel werden durch traditionelles Abklopfen der Bäume geerntet: Mit Stangen werden die Früchte auf darunter gespannte Netze geschüttelt. Anschließend werden sie sorgfältig sortiert und von Hand aufgelesen. Der Bauernhof vermittelt den Besuchern ein Verständnis für diese authentische Arbeit, während die Brennerei die gesunden Früchte zu außergewöhnlichen Produkten veredelt. Es ist ein geschlossener Kreislauf, in dem Bildung und Genuss dieselbe Geschichte erzählen – die Geschichte eines bewahrten Terroirs.