Dossier · Auxerrois
Auxerrois Paul Legill
Die Kellerei Paul Legill in Schengen ist vor allem für eines bekannt: guten Wein. Doch besonders der Auxerrois hat es dem Winzer in sechster Generation angetan. Und das aus gutem Grund.
Frisch, ausgewogen fruchtig, angenehm weich und unglaublich geschmeidig. Der Auxerrois, den Paul Legill kurz nach dem Betreten seiner kleinen, aber feinen Weinstube im Herzen Schengens ausschenkt, lässt kaum zu wünschen übrig. Besser noch: Er macht Lust auf mehr. Und es ist ebendieser erste Eindruck, den Legill mit seinem Wein bei den Gästen auslösen möchte. Vor allem, „weil Auxerrois eine Rebsorte ist, die von den Weinliebhabern jahrelang unterschätzt wurde“, so Legill. Kaum verwunderlich also, dass sich der Weißwein unter den Rebsorten befindet, auf die sich der gebürtige Schengener spezialisiert hat.
25 Prozent seiner Produktion macht der Auxerrois heutzutage aus. Somit ist er neben den klassischen Rebsorten wie Pinot Blanc, Pinot Gris und Riesling eine der Rebsorten, die schon seit vielen Jahrzehnten in Legills Ländereien angebaut werden. Seit 6 Generationen, um genauer zu sein. Bevor Paul in die Fußstapfen seines Vaters stieg, war es sein Großvater, der den kleinen landwirtschaftlichen Mischbetrieb zu einem reinen Winzerbetrieb umstrukturierte. Und das aus gutem Grund: „Der Weinbau war schlicht lukrativer und dort hat er die Zukunft der Familie gesehen“, so Paul Legill. Und er sollte recht behalten. Damals noch Teil einer Genossenschaft, an die man die Weine verkauft hat, sind die „Caves Paul Legill“ heute Privatwinzer.
Was laut Legill auch ein logischer Schritt war. „Für mich ist dies die optimale Art und Weise vom Weinbau zu leben. Vor allem als kleiner Winzer, der nur wenig Land zu bearbeiten hat.“ So ist einiges bei Legill in Schengen in den letzten Jahrzehnten gleichgeblieben, denn wie schon seine Vorgänger führt Paul den Betrieb als moderne „One-Man-Show“. Und das ist auch genau so gewollt: „Ich liebe die Ruhe. Ich freue mich, täglich in die Kellerei zu kommen und ohne Ablenkung meiner Arbeit nachzugehen“. Von der Lese zum fertigen Wein ist er so an jedem einzelnen Arbeitsschritt beteiligt und kann, wie er es so schön formuliert, „den eigenen Wein formen und ihm den eigenen Stempel aufdrücken“.
„weil Auxerrois eine Rebsorte ist, die von den Weinliebhabern jahrelang unterschätzt wurde“
So strebt Paul Legill keine Vergrößerung an, denn die 6,5 Hektar, die er zur Verfügung hat, reichen ihm vollkommen. Sein Augenmerk liegt dementsprechend hauptsächlich auf der Verbesserung der Qualität. Kaum verwunderlich also, dass dem gelernten Önologen die Vinifikation am meisten Spaß bringt. „Wenn man tagtäglich durch die Kellerei gehst, Weine abschmeckt und die Evolution des Weines beobachtet, um an gewissen Momenten zu reagieren und die Temperatur anzupassen, um die Gärung zu beeinflussen. Das sind die schönsten 3-4 Wochen des Jahres“, schwärmt Paul Legill.
Der Erfolg gibt ihm Recht. In den letzten Jahren tauchen die Weine der „Caves Paul Legill“ in regelmäßigen Abständen im „Guide Hachette“ auf. Und besonders der Auxerrois findet Anklang. „Der Auxerrois ist eine Rebsorte, die wunderbar ans Klima angepasst ist, wärmere Temperaturen mag und die auch in weniger guten Jahren konsequent reift. Wenn man die Ernten im Griff hat, bekommt man tiefe, expressive und füllige Weine, die keine aggressive Säurenote aufweisen und eine besondere Aromatik besitzen“, erklärt Paul Legill den Erfolg der einst unterschätzten Rebsorte.
Der Auxerrois kann seiner Meinung umso mehr punkten, da viele Weintrinker mit der ausgeprägten Säure einiger Rebsorten ihre Probleme haben und der fruchtige Weißwein selbst vor allem durch seine Frische und Geschmeidigkeit überzeugen kann. „Zu Fischgerichten, einem guten Schinken, herzhaftem Käse, asiatischem Essen und vor allem Spargel gibt es kaum etwas Besseres als einen frischen Auxerrois“, erzählt der Schengener Winzer freudig. Vor allem, weil er laut Legill „Aromen besitzt, die eher nach mehr verlangen als bei anderen Rebsorten, die schneller satt machen“. Es lässt sich also leicht erklären, warum immer mehr luxemburgische Auxerrois-Weine ihren Weg auf die Menüs der Restaurants finden. „Zu Recht“, wie Paul Legill schmunzelnd einwirft.