Jubiläum · Unabhängige Winzer
60 Kerzen für die Privatwinzer
Am 3. Juni feierte die Privatwënzer Asbl ihr 60-jähriges Jubiläum. Zwischen 1966 und 2026 hat sich viel getan, die Ziele der Mitglieder sind jedoch noch immer dieselben. Ein Gespräch mit vier Vorstandsmitgliedern.
50 Betriebe, 28 Traubenverkäufer, 13 verschiedene Rebsorten und etwa 40 Prozent der Weinbergfläche, all das ist die Privatwënzer Asbl. Seit 1966 setzt sich die Gruppierung für die Interessen unabhängiger Winzerbetriebe ein und hat es geschafft, dass ihre Stimme an allen wichtigen Tischen gehört wird. “Eigentlich sind wir eine Art Gewerkschaft, die die Forderungen und Bedürfnisse von kleinen Winzerbetrieben gegenüber der Agrar- und Landespolitik vertritt, denn ohne Gruppierung hätte man kein Gewicht gegenüber größerer Betriebe”, sagt Guy Krier, Präsident der Vereinigung.
Gegründet wurde die Vereinigung parallel zur ersten Winzergenossenschaft im Land (heute Domaines Vinsmoselle), quasi als Gegenstück, um ein Gleichgewicht zu bewahren: “Damals wurden vom Staat vor allem die Betriebe von Domaines Vinsmoselle unterstützt und wir hatten kein wirkliches Sprachrohr, um unsere Wünsche oder Beschwerden auszudrücken.”
Es ging in erster Linie viel um staatliche Beihilfen, denn wer auf dem Markt konkurrenzfähig bleiben will, muss die eigene Kellerei stetig modernisieren und neue Ausstattung ist kostspielig. “Außerdem bestand der Wunsch, auch als kleine Betriebe die Marque Nationale mitzugestalten, denn Privatwinzer haben in vielem eine andere Sichtweise als Genossenschaftswinzer”, sagt Krier. Bereits 1965 war der “Fonds de Solidarité Viticole” gegründet worden, um den Luxemburger Weinbau zu unterstützen. Auch hier wollten die kleinen Winzerbetriebe gleichberechtigt neben der Genossenschaft sowie dem Weinhandel vertreten sein, um so gemeinsam die Weinwirtschaft der Mosel voranzubringen.
Das oberste Gebot der Vereinigung: ihr Qualitätsbestreben. “Unsere Individualität und Vielfalt sowie die Exklusivität unserer Produkte sind unsere großen Stärken, die einen positiven Einfluss auf die gesamte Region haben und zu deren Wertschätzung beitragen", betont der Präsident. Man habe sich etwa stark für eine klarere Lagebegrenzung von Weinen eingesetzt und so aktiv dazu beigetragen, dass Luxemburger Flaschen nicht nur das nationale Qualitätssiegel der Marque Nationale tragen, sondern ebenfalls die EU-weit anerkannte “Appellation d’Origine Protégée – Moselle Luxembourgeoise”.
Generell sei es gut, als Gruppe zu agieren, denn in den vergangenen Jahren sei vieles bürokratischer und komplizierter geworden, sagen Luc Kohll, Dienstältester im Komitee, und Jeff Konsbruck, einer der jüngeren Mitglieder: “Als Winzer verbringt man mittlerweile viele Stunden am Computer, statt im Weinberg. Die Vereinigung behält bei vielem den Überblick, vor allem in administrativen und rechtlichen Fragen, was einen als Einzelperson enorm entlastet.” Auch die Teilnahme auf großen Messen im In- und Ausland ist bei den Privatwinzern ein Thema, denn wo die Kosten für Einzelbetriebe untragbar und der Aufwand schier unstemmbar wären, wird die Präsenz bei Events durch eine kollektive Vertretung möglich. “Die Unkosten werden vom Solidaritätsfonds getragen, in den zum Beispiel das Geld fließt, das durch den Verkauf von AOP-Weinflaschen eingenommen wird. Hiermit finanzieren wir auch unser gemeinsames Marketing”, erklärt Krier. Während große Veranstaltungen wie “Privatwënzer Uncorked”, “Wine Taste Enjoy” oder der “Wäikues am Norden” dieses Jahr bereits vorbei sind, steht im November noch die Expogast Fachmesse für Gastronomie, Hotellerie und Ernährung in der Luxexpo The Box an, wo die Privatwënzer Asbl ebenfalls vertreten sein wird.
A propos Kosten: Eine weitere Aufgabe der Vereinigung ist es ebenfalls, Mindestpreise für Trauben mit dem Weinhandel auszuhandeln, um so eine Preisgarantie für Verkäufer zu schaffen. “Das sind zwar nie einfache Gespräche, für Traubenproduzenten jedoch unglaublich wichtig”, so Krier. Die gemeinsame Werbung, bessere Preise durch kollektive Einkäufe, eine Anlaufstelle für Fragen: die Vereinigung bietet ihren Mitgliedern nicht nur mehr politisches Gewicht und Visibilität, sondern auch eine wahre Hilfe im Alltag, etwa in Form des gemeinsamen Technischen Leiter und Berater der Privatwinzer, Jean Cao-Romero. “Er berät uns zum Anbau, dem richtigen Dünger, der Bodenqualität sowie der Arbeit im Keller, leitet Seminare und nimmt auch an Tagungen im Ausland teil, um uns so stets die neuesten Informationen nach Luxemburg zu bringen”, erklärt Jean-Marc Schlink, Vereinskassier der Privatwënzer Asbl.
“Ich denke, die Vereinigung ist wirklich einzigartig, denn im Grunde sind wir ja alle gegenseitig unsere größten Konkurrenten, wir agieren aber als Einheit, im stetigen Respekt und in der Freundschaft. Vielleicht ist auch gerade das unsere Stärke, denn Konkurrenz belebt bekannterweise das Geschäft”
Man sei stolz auf die Entwicklungen der letzten Jahre, denn mittlerweile repräsentiert die Vereinigung einen großen Teil der Luxemburger Winzer und begrüßt stetig neue Mitglieder, darunter auch viele Jungwinzer. “Ich denke, die Vereinigung ist wirklich einzigartig, denn im Grunde sind wir ja alle gegenseitig unsere größten Konkurrenten, wir agieren aber als Einheit, im stetigen Respekt und in der Freundschaft. Vielleicht ist auch gerade das unsere Stärke, denn Konkurrenz belebt bekannterweise das Geschäft”, meint Kohll. Gerade kleine Familienbetriebe seien wichtig für eine Branche, die sich gegen eine zu starke Industrialisierung wehrt, um so ihren Charakter weiterhin zu erhalten. Für die kommenden Jahre bleiben die Ziele deshalb grundsätzlich dieselben, nämlich Zusammenhalt, Produktivität, vor allem aber eine Privatwënzer asbl-Qualität, die einfach unverkennbar ist.